Handel / Politik
30. November 2021

Verhaltenes Schweizer Weihnachtsgeschäft und nachhaltige Veränderung im Konsum-Mindset durch Pandemie erwartet

Schweizer Retailer und Konsumgüterhersteller ebenso wie der Gastronomie- und Freizeit-Sektor müssen sich auf ein anhaltend verändertes Verbraucherverhalten einstellen. Im Laufe der Covid-19-Pandemie haben viele Schweizer eine neue, bleibende Sicht darauf entwickelt, für welche Dinge und Aktivitäten sie bereit sind, Geld auszugeben. Gemäss der aktuellen „Consumer Priorities Survey“ der globalen Beratung AlixPartners zeigt sich gegenüber der Frühjahrsbefragung 2021, dass nach wie vor rund 40% der Befragten ihre Einkaufsgewohnheiten nachhaltig verändert haben.
Symbolbild

„Less is more – der Schweizer Konsument tätigt weniger Impulskäufe und geht bewusster einkaufen. Es gilt der Dreisatz überlegt, nachhaltig, regional. Dieser Trend ist gekommen, um zu bleiben, und die Anbieter müssen neben einem angepassten Portfolio vor allem mit einem verbesserten Kundenfokus in der Kommunikation reagieren“, fasst Dr. Karsten Lafrenz, Managing Director von AlixPartners in Zürich, die Ergebnisse zusammen.

Schweizer setzen auf Konsumverzicht – Spitzenplatzierung bei Nachhaltigkeit 
Laut Umfrage gibt es zwei neue Haupttreiber für das dauerhaft veränderte Konsumverhalten. Zum einen wollen 41% ihren Konsum einschränken, um nachhaltiger zu sein – damit belegt die Schweiz nach China (49%) und Deutschland (42%) sogar einen Spitzenplatz im internationalen Vergleich (Mittelwert bei 35%). Bereits in vorhergehenden Befragungen machten sich drei Viertel der Schweizer Sorgen um die Umwelt. Aktuell danach gefragt, worauf in Sachen Umweltschutz beim Konsum besonders geachtet wird, zeichnen sich drei Top-Aspekte ab: Abfallverminderung (54%), Plastikreduzierung (44%) und umweltfreundliche Produkte (44%).

Zum anderen haben 31% eine neue Sicht darauf, was sie als lebensnotwendige Ausgaben betrachten. Alle anderen, in erster Linie wirtschaftliche Gründe, weniger zu konsumieren, spielen eine untergeordnete Rolle. Von denjenigen, die ihre Einkaufsgewohnheiten permanent geändert haben, verlagern immerhin 21% ihren Schwerpunkt mehr in Richtung Internet. Die traditionelle Schweizer Zurückhaltung beim E-Commerce zeigt sich auch hier, folgt aber diesmal anderen wichtigen Märkten (Deutschland 20%, Frankreich 18%, USA 26%). Treiber in Richtung online ist im Wesentlichen der Bereich Bekleidung und Schuhe – hier planen 37% der Konsumenten mit verändertem Kaufverhalten zukünftig mehr Geld online auszugeben.

Urlaub, Essen und Entertainment – am liebsten daheim 
Die Prognose für die Zukunft der Konsumsektoren fällt in vielen Bereichen verhalten aus, nicht zuletzt aufgrund des nachhaltig veränderten Einkaufsverhaltens. Besonders stark betroffen sind laut Umfrageergebnissen nach wie vor der Reise/Tourismus-Sektor und die Ausser-Haus-Unterhaltung: In beiden Bereichen rechnet beinahe die Hälfte aller Schweizer Konsumenten auch in Zukunft mit weniger Ausgaben (Reisen/Tourismus 40% der Befragten, Ausser-Haus-Unterhaltung 50%). Beim Reisen geht der Trend eindeutig in Richtung lokal und regional, bei der Unterhaltung macht sich der Rückzug ins Private bemerkbar.

Doch auch andere Branchen wie Inneneinrichtung (33%), der Beauty-Handel (30%) oder die Gastronomie müssen sich selbst bei der Rückkehr in eine Pre-Covid-Normalität auf weniger spendierfreudige Konsumenten einstellen: 30% der Befragten wollen ihre Restaurantbesuche zugunsten eines schönen Essens zu Hause zurückfahren – ein Trend, der sich an den internationalen Vergleich (27%) anschliesst. Auch die Bereiche Mode (19%) und Consumer Electronics (22%) werden bei den Schweizer Konsumenten einen schwereren Stand haben. Lebensmittel dagegen dürfen laut Umfrage auch nach Ende der Pandemie mit einem Plus rechnen: 12% aller Schweizer Konsumenten gehen davon aus, auch in Zukunft ihre Ausgaben in diesem Bereich zu steigern.

Konsumrekorde auch rund um Weihnachten bleiben aus
Ganz aktuelle Einblicke in Datensätze des „AlixPartners Retail Holiday Forecast“ zeigen, dass das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr in der Schweiz eher verhalten ausfallen könnte. Im Vergleich zum Vorjahr wird es kaum zu einer bedeutenden Umsatzsteigerung im Detailhandel kommen, im besten Falle wird von einem Plus von 1.1% ausgegangen, wobei der Food-Bereich, wie bereits im letzten Jahr, stärker profitieren dürfte als die übrigen Warengruppen. Das Weihnachtsgeschäft wird dabei auch von der reellen Sorge um Lieferengpässe aufgrund der noch immerwährenden Materialengpässe und Lieferkettenprobleme geprägt, die insbesondere auch beliebte Weihnachtsgeschenke (z.B. Elektronik) betrifft. „Die Corona-Krise hat insbesondere weitreichende Auswirkungen auf die weltweiten Produktionsstätten. Betrachtet man den globalen Chipmangel, können schwerwiegende Folgen vor allem für Elektroartikel identifiziert werden. Da diese Produkte sich aber enormer Beliebtheit an Weihnachten erfreuen, kann es bereits jetzt zu starken Lieferengpässen kommen“, erklärt Karsten Lafrenz, Managing Director bei AlixPartners.

In Verbindung mit den Umfrageergebnissen wird laut AlixPartners-Director Cornelia Brühwiler klar: „Eine generelle Rückkehr zu vorpandemischen Zeiten mit der Aussicht auf neue Konsumrekorde im Bereich Non-Food ist unwahrscheinlich, angesichts immer bewusster einkaufenden Konsumenten und der verstärkten Zurückhaltung bei den Ausgaben. Hinzu kommt auch die anhaltende Lieferproblematik, der sich Konsumenten durchaus bewusst sind und welche in diesem Jahr zu einer deutlichen Vorverlagerung der Geschenkeinkäufe für Weihnachten führen wird. Unternehmen müssen hier gezielt entgegenwirken und die richtige Promotionsstrategie fahren, um sich Marktanteile frühzeitig zu sichern. Lebensmittelhändler beispielsweise sind gut beraten, sich stärker auf den Kernbereich Food zu fokussieren.“

Karsten Lafrenz ergänzt: „Die Bedeutung von passgenauer Kommunikation und Promotion nimmt enorm zu. Das gilt auch und besonders für tiefergehende Informationen über Nachhaltigkeitsaspekte.“ Immerhin zeigten sich 20% der Schweizer offen dafür, neue Marken auszuprobieren – Chancen für neue wie alte Player. Ein wesentlicher, aussichtsreicher Bestandteil der Strategie könnten Loyalitätsprogramme sein: Über alle Segmente hinweg und über dem internationalen Durchschnitt zeigen sich die Schweizer ihnen gegenüber aufgeschlossen. Das gilt besonders für den Lebensmittelhandel (25% der Befragten lassen sich bei der Kaufentscheidung durch Kundenbindungsprogramme beeinflussen) und den restlichen Detailhandel (22%).
 

Pressedienst
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