Büro / Technik
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16. April 2018

Einkauf: Einstieg in die Digitalisierung harzt noch

Der Einkauf kommt an E-Tools zur Optimierung seiner Prozesse langfristig nicht vorbei. Das haben die meisten Unternehmen erkannt. Allerdings lassen die Nutzungsquoten der Systeme derzeit noch zu wünschen übrig. Deshalb muss die Mehrheit der Firmen einiges tun, um die Basisprozesse digital in den Griff zu bekommen. Das sind zentrale Ergebnisse der BME-Studie «Barometer Elektronische Beschaffung 2018». Der BME ist der Fachverband für Einkäufer, Supply Chain Manager und Logistiker in Deutschland.

Die Untersuchung wurde auch in diesem Jahr gemeinsam von Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky (Universität Würzburg) und Prof. Dr. Holger Müller (HTWK Leipzig) im Auftrag des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) mit den Partnern Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ) sowie der Allocation Network GmbH durchgeführt. An der Befragung nahmen zwischen Oktober 2017 und Januar 2018 insgesamt 303 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungsgewerbe, Handel und öffentlichen Institutionen teil. Darunter befanden sich zu etwa gleichen Teilen Grossunternehmen und mittelständische Betriebe.

Die zentralen Umfrageergebnisse stellte Prof. Dr. Holger Müller am Dienstag den rund 1'300 Teilnehmern der 9. BME-eLÖSUNGSTAGE in Düsseldorf im Detail vor. Anhand  von Best-Practice-Lösungen wurde den Fachbesuchern aufgezeigt, wohin die Reise für den Einkauf in das digitale Zeitalter geht und wie er zum Treiber dieser Entwicklung werden kann.

«Die diesjährige Umfrage hat klar aufgezeigt, dass die Implementierung digitaler Arbeits- und Produktionsprozesse entlang der gesamten Lieferkette kein Selbstläufer ist. Vor allem Mittelständler tun sich damit noch schwer», betonte BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch.

«In der Digitalisierung geht die Schere zwischen KMU und Gross­betrieben weiter auseinander. Unabhängig von der Unternehmensgröße sind sich jedoch alle Befrag­ten sicher, dass die Digitalisierung in ihren Organisationen weiter vorangetrieben wird», fasste Dr. Holger Müller, Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Supply Chain Management, an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, ein weiteres zentrales Umfrageergebnis zusammen. KMU strebten dabei ähnliche Nutzungsintensitäten wie Konzerne an, dürften aber die geplanten Quoten nach Müllers Einschätzung weder kurz- noch mittelfristig erreichen.

«Es ist schon erschreckend, wie wenig fortgeschritten viele Unternehmen hinsichtlich des Einsatzes von E-Tools im Beschaffungsbereich sind. Insbesondere KMU sind hier weiterhin zu wenig aktiv. Wenn man dem die Entwicklungsstrategien führender Unter­nehmen gegenüberstellt, ist zu befürchten, dass mehr und mehr Firmen digital ‚abgehängt‘ werden und deshalb massive Wettbewerbsnachteile erleiden könn­ten», kritisierte Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky, Inhaber des Lehrstuhls für BWL und Industriebetriebslehre an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Fazit: Den vorläufigen Studienergebnissen zufolge hat die Mehrheit der befragten Unternehmen die «klassischen» Basis­prozesse im Einkauf noch nicht durchgehend digitalisiert. Inwieweit auf dieser Grundlage in den nächs­ten Jahren die «digitale Transformation» zum Einkauf 4.0 – also die Einführung und Nutzung neu­er digitaler Prozesse und Geschäftsmodelle – in der Breite gelingen kann, muss mit einem Fragezeichen ver­sehen werden. Insbesondere KMU sind hier aktuell noch deutlich schlechter aufgestellt als Grossunternehmen. Nichtsdestotrotz werden einige Betriebe als Leuchttürme weiter voran­gehen. Für die Mehrheit der Firmen heißt es jedoch zunächst, die grundlegenden Beschaffungsprozesse digital in den Griff zu bekommen – und dies in einer Geschwindigkeit, die den Abstand zu den Best-in-Class-Unter­nehmen nicht noch grösser werden lässt.

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