Handel / Politik
22. Juni 2022

GfK-Studie: Einzelhandel Europa 2021 und 2022

Nachdem der Einzelhandel in den 27 EU-Staaten bereits im ersten Corona-Jahr 2020 ein Umsatzplus von 1,5 % verzeichnete, konnte der Umsatz 2021 noch einmal deutlich um 6,8 % gesteigert werden. Die höchsten Wachstumsraten gab es in kleineren osteuropäischen Staaten wie Litauen (plus 17 %), Slowenien (plus 16 %) oder Estland (plus 13 %). Auch grössere Märkte wie Frankreich, Spanien und Italien verzeichneten allesamt Wachstumsraten im Einzelhandel von über 7 %. Dies zeigt die neue Studie zum Einzelhandel in Europa, in der GfK wichtige Schlüsselindikatoren untersucht.

Die starke Umsatzentwicklung des Einzelhandels ist insbesondere auf den Nonfood-Bereich zurückzuführen, der im Grossteil der Länder im Jahr 2021 zweistellig wuchs und in einzelnen Ländern wie Slowenien sogar bei mehr als 20 % lag. Das starke Umsatzplus 2021 ist hier vor allem auf die schwachen Vorgaben aus 2020 zurückzuführen, als die Corona-Pandemie die europäischen Länder noch stärker im Griff hatte, die Verbraucher deutlich verunsicherter waren und der Nonfood-Handel einen teilweise zweistelligen Umsatzrückgang verkraften musste.

Die nominale Kaufkraft der EU-Bürger wuchs 2021 im Schnitt um 2,4 %. Nachdem viele Nicht-Euro-Länder wie Tschechien, Kroatien und Norwegen 2020 auch aufgrund von Wechselkurseffekten mit Kaufkraftverlusten zu kämpfen hatten, konnten viele dieser Länder sowohl von einer besseren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung als auch einer Stärkung ihrer nationalen Währungen profitieren. So wuchs die Kaufkraft im Jahr 2021 in den beiden erstgenannten Ländern um jeweils mehr als 5 %, in Norwegen sogar um über 8 %.

Der Einzelhandel in der EU konnte trotz Lockdowns und Zugangsbeschrän­kungen seinen Anteil an den privaten Konsumausgaben auf 35,8 % steigern. Verglichen mit 2019, also vor Corona, konnte der Einzelhandel damit 3,1 % Prozentpunkte gewinnen. Vor allem in Litauen und Estland gewann der Einzelhandelsanteil am Konsum verglichen mit 2019 am stärksten hinzu, nämlich um mindestens 5,3 Prozentpunkte. Aber auch in den grossen EU-Märkten Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien betrug der Zuwachs zwischen drei und vier Prozentpunkte.

Nachdem die Inflation 2021 bereits bei 2,9 % lag, wird für 2022 wegen der hohen Energiepreise und des Kriegs in der Ukraine eine EU-weite Inflations­rate von 6,8 % erwartet. Besonders stark fällt der Preisanstieg in vielen osteuropäischen Ländern aus. So wird in Litauen, Estland, Bulgarien, Tschechien und Polen mit einem zweistelligen Wachstum der Verbraucher­preise gerechnet.

Das Angebot, via Augmented oder Virtual Reality im Einzelhandel einzu­kaufen, ist in Westeuropa sehr überschaubar und weist ausgeprägte nationale Unterschiede auf. So sind Spanien und das Vereinigte Königreich westeuropäische Spitzenreiter, während die DACH-Länder in diesem Bereich hinterherhinken.

In den Anrainerstaaten des Mittelmeers, Schweden und der Schweiz gibt es einen deutlichen Stadt-Land-Gegensatz. In diesen Staaten findet sich die onlineaffine Bevölkerung eher in den grossen Städten und Metropolen, während die Bevölkerung auf dem Land stärker zum stationären Handel tendiert. In Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien und Grossbritannien sind teilweise in den kleineren Gemeinden höhere Indexwerte vorzufinden.

Hier kann die gesamte Studie kostenlos heruntergeladen werden. 

Pressedienst
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