Handel / Politik
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24. April 2019

Schweizer Firmen haben kaum Einblick in die Lieferkette

Zwei Drittel der Einkäufer grosser internationaler Unternehmen haben eine eingeschränkte oder keine Sichtbarkeit über ihre direkten Lieferanten hinaus. Die Ergebnisse für Schweizer Unternehmen sind noch tiefer: Mehr als vier Fünftel der Unternehmen haben laut einer aktuellen Umfrage von Deloitte keinen tieferen Einblick in ihre Lieferkette.

Diese Ergebnisse sind überraschend niedrig und beunruhigend, da es für Unternehmen immer wichtiger wird, zu wissen, wo Rohstoffe und Zwischenprodukte herkommen. Während immerhin 6 Prozent der Unternehmen weltweit sagen, dass sie die volle Transparenz über ihre gesamte Lieferkette erreicht haben, ist dies bei keinem einzigen befragten Schweizer Unternehmen der Fall. Dies zeigt die aktuelle Ausgabe des Chief-Procurement-Survey des Beratungsunternehmens Deloitte. Befragt wurden über 500 Einkaufsmanager aus 39 Ländern.
Diese tiefe Transparenz hat Auswirkungen auf Unternehmen aller Branchen. Denn die Erkennung und Eindämmung von Risiken innerhalb der Lieferkette wird immer wichtiger, da auch die Wertschöpfungsketten von Unternehmen komplexer geworden sind und sich über verschiedene Märkte und Rechtsräume erstrecken.

Konsumenten wollen Information
Die Unternehmen müssen gegenüber Regulationsbehörden mehr Einblick in das Beschaffungswesen gewähren als früher. Und auch die Konsumenten wollen genauer wissen, woher Produkte kommen und wie sie produziert wurden. Entsprechende neue Vorschriften in der EU, in UK oder in Frankreich betreffen auch viele Schweizer Unternehmen, die dort aktiv sind.

Weiter zeigt die laufende Diskussion über die Konzernverantwortungsinitiative in der Schweiz die Tendenz zu mehr Transparenz deutlich. Schweizer Unternehmen müssen daher ihre Anstrengungen verstärken und mehr sowie systematischer Informationen über ihre Lieferanten auf der zweiten oder dritten Ebene sammeln. So ermöglichen sie eine bessere Einschätzung der Risiken und schaffen Möglichkeiten, um diese zu minimieren. Gleichzeitig können sie auf die wachsenden regulatorischen Anforderungen reagieren und gewonnene Informationen für das Marketing nutzen. Digitale Technologien wie Blockchain und der Einsatz von Algorithmen und automatisierten System können Beschaffungsmanagern bei ihrer Arbeit massgeblich unterstützen.

Erfolgreiche Unternehmen wissen Bescheid
Die EU verpflichtet inzwischen bestimmte börsennotierte Unternehmen, ihre Leistungen in wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Hinsicht transparent zu machen. Diese müssen dabei auch aufzeigen, wo es Probleme gibt und wie sie Verbesserungen anstreben. Diese nichtfinanziellen Reporting-Angaben betreffen auch Informationen über die Lieferkette und sollen dabei helfen, bestehende und potenzielle negative Auswirkungen zu erkennen, zu verhindern oder einzudämmen.

Die Deloitte Umfrage bei den Einkaufsmanagern legt offen, dass erfolgreiche Unternehmen zweieinhalb Mal häufiger als ihre Mitbewerber eine vollständige Lieferkettentransparenz haben. Die Ergebnisse zeigen, dass – zusätzlich zu den Reporting- und Risikoaspekten – eine grössere Transparenz der Lieferkette die Innovationsfähigkeit erhöht und die Gesamtkosten für beschaffte Waren und Dienstleistungen reduziert. Die Umstellung auf ein digitalisiertes Beschaffungswesen lohnt sich daher umso mehr.

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