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Wenn die Einkaufsstrassen zu heiss werden

Der Hitzesommer 2026 hat gezeigt, was auf unsere Städte zukommt: Heisse Tage und Nächte, die keine Abkühlung bringen. Das hat auch ganz konkrete Folgen für Geschäfte in den Innenstädten und Einkaufsstrassen, wie das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) in einer aktuellen Studie zeigt. Konkret hat sich das GDI die Passantenfrequenzen an der Zürcher Bahnhofsstrasse von 2022 bis 2026 angeschaut. Das Fazit: Ab einer Schwelle von etwa 28 bis 30 Grad nimmt die Frequenz ab. Oberhalb dieser Schwelle zählt die Einkaufsstrasse pro zusätzlichem Grad rund 940 bis 1200 Passantinnen und Passanten weniger.
Besonders ausgeprägt ist der Effekt zwischen 12 und 16 Uhr: An Hitzetagen sind in diesem Zeitraum rund 2560 Personen weniger unterwegs. Zwischen 20 und 23 Uhr steigt die Frequenz dagegen leicht. Die Analyse zeigt zudem, dass Fussgänger bei Hitze häufiger jene Strassenseite wählen, die gerade im Schatten liegt.
Konsum verlagert sich
Weniger Laufkundschaft bedeutet laut Studie nicht automatisch weniger Konsum. Aggregierte elektronische Zahlungsdaten für den Kanton Zürich zeigen an Hitzetagen keinen entsprechenden Rückgang der stationären Ausgaben. Das GDI folgert daraus, dass sich Einkäufe unter anderem von exponierten Einkaufsstrassen an andere stationäre Orte verlagern.
Auch der Onlinehandel profitiert. Schweizweit steigen die untersuchten Online-Ausgaben für Food bei Temperaturen oberhalb von 30 Grad laut GDI um rund 1,4 Prozent je zusätzlichem Grad. Bei Non-Food beträgt der geschätzte Anstieg rund 1 Prozent, wobei dieser statistisch weniger eindeutig ist.
«Hitze bremst den Konsum nicht, sondern verschiebt ihn», so Gianluca Scheidegger vom GDI. «Zeitlich in kühlere Abendstunden, räumlich in schattige Zonen sowie klimatisierte Innenräume und digital in den Onlinehandel.»
Für den Detailhandel und die Städte sieht das GDI deshalb Anpassungsbedarf. Schatten, Begrünung und kühlere Aufenthaltsbereiche könnten Einkaufsstrassen bei hohen Temperaturen attraktiver halten. Gleichzeitig stellt die Studie die heute üblichen Öffnungszeiten zur Diskussion: Passanten verlegen an heissen Tagen ihren Stadtbummel zunehmend in die Abendstunden, viele Geschäfte sind dann aber bereits geschlossen. Der Handel habe sich mit seinen starren Öffnungszeiten noch nicht an die Veränderung der Stadtnutzung angepasst, so das GDI.
Sie können die GDI-Studie «Hotspot Innenstadt» hier runterladen: https://gdi.ch/publikationen/studien/hotspot-innenstadt