Produktwissen
Bekannte Gesichter der Branche mit brandneuen Kartenkollektionen: Stefan Schüpbach (li.), Geschäftsführer Hervorragend AG, und Massimo Bencivinni, Stellvertretender Geschäftsführer, an der ORNARIS in Bern. (Bild: vb)
04. September 2018

Fair Trade, Hand Made – und neu auch Swiss Made

An der ORNARIS präsentierte die Hervorragend AG zum ersten Mal zwei Kartenkollektionen, die in der Schweiz in sozialen Werkstätten hergestellt werden. Stefan Schüpbach und Massimo Bencivinni sprechen über die Veränderungen im Markt, intuitive Trendforschung und die Herausforderungen des fairen Handels.

Am Messestand der Hervorragend AG ist die Stimmung ausgezeichnet. «Viele Neukunden besuchen uns, deutlich mehr als im Vorjahr», freut sich Massimo Bencivinni, Stellvertretender Geschäftsführer. Beschreiben lässt sich der Kartenverlag mit Sitz in Bern als «not only profit organization». Die Firma wird betriebswirtschaftlich geführt, Gewinnmaximierung ist jedoch nicht das Ziel. Die Karten werden in Sozialprojekten von körperlich und psychisch benachteiligten Menschen aufwendig von Hand gefertigt. Mit dem Kauf dieser Karten werden Hilfsbedürftige in schwierigen Lebensumständen unterstützt.

Arbeit und somit Perspektiven bieten
Der Nischenplayer im Kartenmarkt existiert seit bald zehn Jahren, führt eigene Kollektionen mit rund 1000 Motiven und bietet Auftragsarbeiten an. Weltweit werden Menschen an 60 Arbeitsplätzen beschäftigt. Stefan Schüpbach, Gründer und Geschäftsführer der Hervorragend AG, erklärt: «In vielen Kulturen ist Arbeit zentral, nicht nur um den Lebensunterhalt finanzieren zu können, sondern auch für das Selbstwertgefühl und die Anerkennung in der Gesellschaft. Benachteiligten Arbeit zu bieten, ist somit eine sinnvolle Hilfe für ein besseres Leben.»
Hilfsbedürftige Menschen gibt es auch in der Schweiz. Hervorragend hat nun zum ersten Mal zwei Kollektionen hierzulande produzieren lassen. Bei den neuen «5er Karten» werden Botschaften mit einem aufgeklebten 5-Räppler gezeigt. Entworfen wurden die Karten vom jungen Winterthurer Designer Flavio Vogel und hergestellt von Menschen in einer sozialen Werkstätte im Kanton Bern. Die «5er Karten» sind somit 100 Prozent Swiss Made. Ein Schweizer Produkt sind zudem die neuen «Holz-Scherenschnitt»-Karten. Die Produktion im Ausland wäre natürlich günstiger. Wie werden die Einkäufer auf die Kollektionen reagieren? Dies hat sich an der ORNARIS erstmals gezeigt.

«Gutes tun kommt an. Wichtig ist, dass unsere Karten auch den Geschmack der Kunden treffen.»

«Heute kaufen Endkunden weniger Karten als noch vor zehn Jahren, aber der Umsatz ist beinahe konstant. Wir sehen, dass Karten wieder an Bedeutung gewinnen. Der Versand erfolgt gezielter, dafür dürfen die Karten heute spezieller gestaltet sein», beobachtet Massimo Bencivinni. Stefan Schüpbach ergänzt: «Gutes tun kommt an. Wichtig ist, dass unsere Karten auch den Geschmack der Kunden treffen.»
Wie kommt der Verlag zu trendigen Motiven? Eine strategische Trendforschung gebe es nicht, die Auswahl werde intuitiv getroffen und die Zustimmung indirekt mit dem Absatz in den Fachgeschäften ermittelt. Fair Trade gemeinsam definieren Die Suche nach Produzenten erfolgt auf Reisen, zum Beispiel auf lokalen Märkten. Die Fair-Trade-Thematik sei anspruchsvoll, weil die sozialen Projekte zur Philosophie von Hervorragend – überraschend, wertschätzend, fair – passen müssen und die Handarbeit bezahlbar sein soll. Die Fair-Trade-Kriterien werden jeweils gemeinsam mit den Lieferanten definiert und regelmässig überprüft. Mehr Informationen zu den Neuheiten von Hervorragend finden Sie online unter www.haptik.ch/Neuheiten

Vanessa Borer
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