Schule
11. Dezember 2023

«Mit Stift und Papier lernt man besser schreiben und lesen»

Viele Schülerinnen und Schüler in der Schweiz können schlecht lesen, das zeigt die neue Pisa-Studie. Für den Neuropsychologen Lutz Jäncke ist klar: In den Schulen muss die Digitalisierung minimiert werden. Er plädiert für mehr Diktate - und ein Revival der Handschrift.
Handschriftlich behält man eine Information besser, als wenn man sie auf dem Computer tippt. (Symbolbild Pixabay)

Rund ein Viertel der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in der Schweiz hat Mühe, Texte zu lesen und zu verstehen. Das ist da ernüchternde Ergebnis der Pisa-Studie 2022 (haptik.ch berichtete). In einem Interview mit dem «Tagesanzeiger» plädiert der Neuropsychologe Lutz Jäncke dafür, bei der Digitalisierung in der Schule Mass zu halten. «Delete or minimize die Digitalisierung, so wie sie derzeit praktiziert wird», sagte Jäncke.

Das Hauptproblem mit Tablets im Unterricht sieht Jäncke darin, dass die Kinder abgelenkt werden. «Kinder sind rein von der Entwicklung des Gehirns dazu geneigt, sich den Ablenkungen des Lebens hinzugeben.» Dass Schweden, das als eines der ersten Länder die Digitalisierung der Schulen forciert hatte, nun wieder auf die Bremse tritt und wieder vermehrt Buch, Heft und Handschrift in den Fokus rückt, findet Jäncke «klasse». «Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass man mit Stift und Papier besser schreiben und lesen lernt», sagte er im Interview. Auch die Bildung des Gedächtnisses funktioniert so besser. Handschriftlich behalte man eine Information viel schneller, als wenn man sie mit beiden Händen verfasse, also zum Beispiel auf einer Tastatur.

Zudem liegen die motorischen Areale im Gehirn, die die Hand kontrollieren, unmittelbar neben den Spracharealen. Die motorischen und sprachlichen Bereiche stünden im engen Ontakt und könnten «elegant Informationen miteinander austauschen», so Jäncke.

«Wiederholen ist die Mutter des Lernens»

Jäncke plädiert für ein «Revival der Handschrift in den Schulen – es ist ein Entschleunigungsmittel, das hilft, uns zu konzentrieren». Auch häufige Diktate und regelmässige Aufsätze findet der Neuropsychologe sinnvoll, wie er der Zeitung sagte. «Wie gut man liest und schreibt, hängt von der Übung ab. Wenn das nicht konsequent geübt wird, nehmen diese Fähigkeiten ab», so Jäncke. Wiederholen sei die «Mutter des Lernens». «Jede Fähigkeit, die man im Gehirn etablieren will, muss wiederholt werden.»

pd/mos

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